|
Niederrhein/Hamminkeln, 30.
Januar 2026 - Ist-Zustand und Perspektiven des
Wirtschaftsfaktors: Bei einer von Niederrhein
Tourismus organisierten Fachtagung stellten
Experten die Chancen und Herausforderung in den
Mittelpunkt.
„Wandern, radeln, einkaufen,
bummeln und Sightseeing – das machen
Reisemobilisten besonders gern.“ Diese Aussage
von Thomas Nitsch vom Caravaning Industrie
Verband e. V. macht einmal mehr deutlich, warum
der Niederrhein ein ideales Ziel für die besagte
Touristengruppe ist. Jährlich sorgt sie für
einen geschätzten Gesamtumsatz von 77,5
Millionen Euro in der Region, wie eine aktuelle
Studie ermittelt hat. Auch deshalb lag es für
die Niederrhein Tourismus GmbH (NT) und den
Arbeitskreis „Reisemobil und Camping am
Niederrhein“ nahe, eine Fachtagung rund um
dieses Thema zu organisieren. Ein Angebot, das
viele Fachleute und Tourismuswirtschaft und
Kommunen gerne annahmen.
Unter der
Überschrift „Mobilität, Natur, Lebensstil –
Perspektiven des Reisemobils und Camping“
stellten Expertinnen und Experten im APXplore im
LVR-Archäologischer Park Xanten sowohl die
regionalen als auch die globalen Chancen und
Herausforderungen dieses Wirtschaftsbereichs in
den Mittelpunkt.

Sie freuten sich über die gelungene Tagung in
Xanten: (v.l.) Moderator Prof. Dr. Thomas Merz,
Prof. Dr. Frank Schaal (Geschäftsführer,
Bundesverband der Campingwirtschaft in
Deutschland e.V), Martina Baumgärtner
(Geschäftsführerin von Niederrhein Tourismus),
Leo Ingenlath (vom Campingplatz Kerstgenshof in
Sonsbeck sowie Vertreter des BVCD NRW e.V.),
Kathrin Peters (Niederrhein Tourismus), Thomas
Nitsch (Caravaning Industrie Verband e. V.),
Rafael Zur (Bürgermeister der Stadt Xanten) und
Lukas Hähnel, Leiter der EntwicklungsAgentur
Wirtschaft (EAW) des Kreises Wesel.
Auch
wenn die Verkäufe der Freizeitfahrzeuge in 2025
mit -2,3 Prozent leicht rückläufig waren – bei
einer Gesamtzahl von rund 1,8 Millionen
zugelassenen „Freizeitfahrzeugen“ im vergangenen
Jahr in Deutschland kann laut Referent Nitsch
von einem kurzlebigen Trend weiterhin keine Rede
sein. „Die Leute, die zu Corona-Zeiten ins
Caravaning eingestiegen sind, bleiben dabei“,
betonte er. Das typische Klientel ist, so
Nitsch, zwischen 50 und 70 Jahre alt,
einkommensstark und sucht abseits des
Massentourismus besondere Erlebnisse und
Genüsse.
Hier kann der Niederrhein
besonders punkten, wie Kathrin Peters von NT
ausführte: „Die hiesigen Stärken liegen in der
Natur, der Ruhe und Regionalität. Flache und
ansprechende Landschaften sind hoch attraktiv
für den Rad- und Wandertourismus, der wiederum
eng mit dem Reisemobil- und Camping-Tourismus
verknüpft ist.“ Ein dichtes Netz an Reisemobil-
und Campingplätzen sorge für eine gute
Infrastruktur und schaffe ein hohes Maß an
gewünschter Flexibilität: „Heute mit dem
Reisemobil im Kreis Kleve übernachten, morgen im
Kreis Heinsberg und übermorgen im Kreis Viersen?
Das ist problemlos möglich“, so Peters
exemplarisch.
Größere Herausforderungen
gibt es – wie in praktisch allen Branchen – im
Bereich der Digitalisierung. „Camper werden in
Zukunft hauptsächlich online in Echtzeit buchen.
Die Zeiten von E-Mails, Anrufen oder
handschriftlichen Anfragen an der Rezeption
gehen zu Ende“, sagte Referent Prof. Dr. Frank
Schaal, Geschäftsführer beim Bundesverband der
Campingwirtschaft in Deutschland e.V. „Der
Fokus liegt auf der mobilen Verfügbarkeit, da
immer mehr Camper ihre Reise spontan oder ,on
the road’“ planen.“ Seine zugespitzt
formulierte These: Die entscheidende Frage für
Campingplätze laute nicht mehr: „Wie gewinnen
wir das Herz des Kunden?“ Vielmehr müsse es vor
allem darum gehen, „das Vertrauen der
Algorithmen zu gewinnen, die den Kunden
beraten“.
Zustimmung kam von
NT-Geschäftsführerin Martina Baumgärtner, die in
diesem Zusammenhang auch auf die verschiedenen
Digitalisierungsprojekte in der Region verwies,
darunter den Niederrhein Hub für die Eingabe
touristischer Daten, das NiederrheinRad und die
NiederrheinCard, die sich beide per App nutzen
lassen.
Lukas Hähnel, Leiter der
EntwicklungsAgentur Wirtschaft (EAW) des Kreises
Wesel, zog am Ende der erfolgreichen
Veranstaltung dieses Fazit: „In der Region wurde
schon viel geleistet und wir sind entsprechend
gut aufgestellt. Nun geht es darum, das große
Potenzial noch weiter auszuschöpfen.“
|