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A3: Pionierarbeit aus Krefeld wird deutschlandweiter Standard
Autobahn GmbH

Emmerich/Hamminkeln, 12. Mai 2026 - Im Zuge der Autobahn A3 nahe der niederländischen Grenze realisiert die Außenstelle Krefeld der Autobahn GmbH des Bundes derzeit den Ersatzneubau von fünf Brücken im Bereich Emmerich.

Die Bauwerke Holländer Deich, Wiesenstraße, Regenittstraße, Budberger Straße und Waldkreuzweg dienen überwiegend der Überführung von Wirtschaftswegen und stellen wichtige lokale Verbindungsachsen sicher. Eine Besonderheit des Projekts ist der Einsatz von Kunststoff‑Bewehrter‑Erde (KBE) für die Herstellung der Widerlager. Diese Pionierarbeit wird dank erfolgreicher Pilotphase nun deutschlandweiter Standard.

Den Anfang machten im September 2025 die Bauwerke Holländer Deich zwischen den Anschlussstellen (AS) Emmerich-Ost und Rees sowie Wiesenstraße zwischen den AS Emmerich-Ost und Rees. Am Holländer Deich sind die Bauarbeiten abgeschlossen und die Verkehrsfreigabe ist erfolgt, während an der Wiesenstraße noch Rest-Bauarbeiten laufen und die Verkehrsfreigabe noch aussteht.
Am Bauwerk Regenittstraße zwischen den AS Emmerich-Ost und Rees begannen die Arbeiten im März 2026. Hier befinden sich die KBE-Widerlager aktuell in der Ausführung. Ein Abschluss wird hier im Spätsommer erwartet.
 
Bauzeiten wurden geändert
Für die Bauwerke Budberger Straße zwischen den AS Emmerich und Emmerich-Ost und Waldkreuzweg zwischen Grenze Elten und AS Elten wurden die Bauzeiten nun geändert. Los geht es bei beiden Brücken am 18. Mai. Ab da sind auch die Wirtschaftswege gesperrt. Im November sollen die Verkehrsfreigaben erfolgen.

„Wir haben festgestellt, dass der Einbau der KBE-Widerlager nicht im tiefsten Winter erfolgen sollte, weswegen wir den Zeitplan geändert haben“, so Bauüberwacher Christian Bouten. Für den Abbruch der Bestandsbauwerke wird die A3 von Freitag (29.5.), 20 Uhr, bis Montag (1.6.), 5 Uhr, gesperrt, für das Einheben der Fertigteile dann von Freitag (4.9.), 20 Uhr, bis Montag (7.9.), 5 Uhr.
 
Funktionale Ausschreibung des Gesamtvorhabens
Das Gesamtvorhaben wurde als funktionale Ausschreibung vergeben und umfasst sämtliche erforderlichen Maßnahmen für den Ersatzneubau – von der Planung bis zur baulichen Umsetzung. „Unser Auftragnehmer, die Firma Heitkamp Brückenbau GmbH, verantwortet dabei sowohl die vollständige Planungsleistung inkl. der Schaffung des Baurechts als auch die Ausführung der Bauarbeiten. Die Maßnahme ist Teil eines Pilotprojekts, in dem neue technische Ansätze im Brückenbau erprobt und weiterentwickelt werden“, schildert Projektleiter Konstantinos Kalyviotis.
 
Kunststoffbewehrte Erde für die Herstellung der Widerlager

Eine Besonderheit ist der Einsatz von Kunststoff‑Bewehrter‑Erde (KBE) für die Herstellung der Widerlager. Diese Bauweise kombiniert einen verdichteten Erdkörper mit hochfesten Geogittern aus Kunststoff, die lagenweise eingebaut werden. Die Bewehrungslagen werden dabei horizontal in den Boden eingebracht und mit dem Erdmaterial verzahnt. Kalyviotis: „Durch diese schichtweise Konstruktion entsteht ein äußerst tragfähiger, standsicherer und zugleich flexibler Erdkörper, der die Lasten des Überbaus zuverlässig aufnehmen kann.“
„Die Vorderseite des Bauwerks wird mit einer vorgesetzten Ansichtsfläche aus Betonfertigteilen gebildet, die jedoch keine tragende Funktion hat. Sie dient vor allem dem Schutz der KBE und der optischen Gestaltung“, so der Projektingenieur weiter.
 
AS Krefeld macht kunststoffbewehrte Erde zur bundesweiten Regelbauweise

Zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe war die KBE‑Bauweise noch nicht in Regelbauweise und nur mit besonderen Genehmigungen im Ausnahmefall erlaubt. Für die Umsetzung war eine sogenannte „Zustimmung im Einzelfall (ZiE)“ durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr erforderlich. Durch die erfolgreiche Pilotierung dieser Bauweise konnte die KBE‑Technologie nun aber in das Regelwerk „ZTV‑Ing“ aufgenommen werden, sodass für zukünftige Projekte keine ZiE mehr notwendig ist – ein Innovationsvorteil, von dem nun alle Behörden und Brückenbauunternehmen deutschlandweit profitieren können.
 
Herausgestellte Eigenschaften der KBE‑Widerlager

Der Einsatz von Kunststoff‑Bewehrter‑Erde bietet eine Reihe von Vorteilen, die sowohl ökonomische als auch ökologische Aspekte betreffen:
• Reduzierte CO₂‑Emissionen 
Durch den geringeren Einsatz von Beton und Stahl sowie die kompakte Bauweise wird der CO₂‑Fußabdruck deutlich reduziert. Dies unterstützt die Nachhaltigkeitsziele der Autobahn GmbH und trägt zu einer umweltfreundlicheren Infrastrukturentwicklung bei.
• Schnellere Bauzeiten 
KBE‑Widerlager können im Vergleich zu klassischen Massivbauwerken deutlich schneller hergestellt werden. Die Bauabläufe sind einfacher, benötigen weniger Aufwand bei Schalung und Beton und ermöglichen eine zügige Realisierung der Gesamtmaßnahme.
• Hohe Wirtschaftlichkeit 
Die Bauweise ist materialeffizient und reduziert sowohl Herstellungs- als auch Transportaufwand. Zudem konnte die Bestandsfundamentplatte als Gründung integriert werden.
• Geringere Eingriffe in die Umgebung 
Durch die Nutzung der vorhandenen Bestandsbodenplatte konnte die Baugrube verkleinert werden, wodurch der Eingriff in den Boden und die umliegende Umgebung reduziert wurde.
 
Kalyviotis: „Mit der Ausführung der KBE‑Widerlager setzt die Außenstelle Krefeld ein deutliches Zeichen für Innovation, Nachhaltigkeit und effiziente Bauprozesse. Das Pilotprojekt im Bereich Emmerich zeigt, wie moderne Bauweisen erfolgreich in die Praxis überführt werden können und leistet einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Infrastruktur.“