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IHK: Was ist wichtig bei Unternehmensnachfolge
Teegeschäft in Xanten zeigt, wie es geht

BZ auf ein Wort v. Jochem Knörzer
Nett, was die IHK so schreibt. Aus eigener Erfahrung kann ich allerdings sagen, dass der größte Gegner, ja Feind, bei einer Übergabe und Weiterführung eines (Familien)Betriebes die Bürokratie, die Verwaltung ist!
Insbesondere, wenn man Stadt und Kreis dabei wechselt. Angefangen von der (vorläufigen) Gewerbeanmeldung, Finanzamt mit neuer Steuernummer, Freistellungsbescheinigung, Betriebsnummern, Versicherungen und nicht zuletzt Berufsgenossenschaft, Handwerkskammer und IHK.
Das sollte am Besten der übernehmen, der den Betrieb in jüngere Hände abgibt. Bei diesem Zeit- und Nervenaufwand kommt der neue Betriebsinhaber ansonsten nicht zum Arbeiten.



Duisburg/Hamminkeln, 14. August 2026 - Gemeinsam mit zwei Kollegen berät Kai Hagenbruck bei der Niederrheinischen IHK Unternehmer zur Nachfolge. Er erläutert, worauf es ankommt und welche Rolle der demografische Wandel spielt. Die IHK hat auch Hannah Adam beraten. Sie hat im Frühling ein Teegeschäft in Xanten übernommen.
 
„Wir hören zunächst einmal zu. Denn jeder Betrieb ist anders, was Größe, Struktur und Branche angeht. Da sind kleinere Einzelhändler ebenso dabei wie größere Produktionsbetriebe. Oft geht es um ein Lebenswerk, da schwingen auch Emotionen mit“, erklärt IHK-Berater Kai Hagenbruck seinen Beratungsalltag. Im zweiten Schritt konzentriere er sich auf die Zahlen. Es geht um die Wirtschaftslage, um anstehende Investitionen und die Frage: Trägt das Geschäftsmodell in Zukunft? Dabei gehe es nicht um den ideellen Wert oder den Substanzwert wie Maschinen oder Anlagen. Wichtig sei vor allem der Ertrag: „Ein Unternehmer, der eine Firma übernimmt, muss davon leben können. Dafür brauchen wir ein realistisches Szenario“, so Hagenbruck.
 
Problem Nachfolgesuche
Vor allem der demografische Wandel werde zum Problem. „Zum einen gibt es immer mehr Firmeninhaber, die ins Rentenalter kommen. Und gleichzeitig weniger Nachwuchs. In Familienbetrieben ist es nicht mehr so selbstverständlich wie früher, dass Tochter oder Sohn die Firma weiterführen“, erklärt der IHK-Berater. Meist stammen die Käufer dann aus dem Wettbewerbsumfeld oder auch aus vor- oder nachgelagerten Produktionsstufen.
 
Digitale Unternehmenswerkstatt
Kai Hagenbruck empfiehlt interessierten Abgebern und Nachfolgern die digitale Unternehmenswerkstatt der IHK (
https://www.uwd.de/). „Sie können konkrete Pläne erstellen, sowohl für eine Übergabe als auch eine Übernahme. Es gibt einen kostenlosen Unternehmenswertrechner, Musterverträge, Checklisten und einiges mehr. Die Kombination aus persönlicher Beratung und Online-Angeboten ist ideal und zeitgemäß.“
 
Xantee zeigt, wie erfolgreiche Nachfolge geht
Hannah Adam hat es geschafft: Sie hat das beliebte Teegeschäft Xantee übernommen. An der Marsstraße 6 in Xanten bietet sie neben 200 Teesorten auch regionale Produkte an sowie Schnittblumen aus eigener Farm. Xantee-Gründerin Hildegard Stück ist froh über Ihre Nachfolgerin. „Xantee, das war wie eines meiner Kinder. Ein Lebensprojekt. Doch die letzten, sehr anstrengenden zwei Jahre haben viel Energie gekostet. Ich merkte: Es wird Zeit für einen Generationswechsel“, erzählt Hildegard Stück
 
IHK-Beratung von der Gründung bis zur Nachfolge
Sowohl vor der Gründung im Jahr 2000 als auch wegen der geplanten Nachfolge hat sie sich von der Niederrheinischen IHK beraten lassen. Beide Male haben ihr die Gespräche Mut gemacht für den nächsten Schritt. „Ein Teeladen, das war damals in Xanten noch etwas Exotisches. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, sagt Hildegard Stück. Insbesondere die Aufbauphase fand sie spannend, mit immer neuen Ideen und Möglichkeiten. In genau dieser Phase steckt nun Hannah Adam, die von der Kundin zur Inhaberin wurde. Einen Tag, nachdem sie bei Xantee eingekauft hatte, stand sie schon wieder im Laden. „Ich war im Ort, um frische Kräuter einzukaufen, habe mich dann über Kräutertees erkundigt und offenbar mehr Interesse an Tee gezeigt als der Durchschnittskunde“, blickt Hannah Adam auf das lange Gespräch mit Hildegard Stück zurück. Beiden Frauen wurde währenddessen klar: Hier könnte sich eine Unternehmensnachfolge anbahnen.
 
Nicht nur Tee soll es geben
Hannah Adam war nach zehn Jahren in Baden-Württemberg erst kurz zuvor in ihre niederrheinische Heimat zurückgekehrt – und bereits selbstständig. Im Jahr 2025 eröffnete sie eine Schnittblumenfarm auf dem Rest-Bauernhof ihrer Großmutter. „Die Idee stammt aus den USA. Es geht darum, Schnittblumen lokal anzubauen, um lange Transportwege zu vermeiden“, erklärt sie. Das Konzept kam sofort gut an. Dass Hannah Adam dieses nun mit stationärem Handel kombinieren kann, ist nur konsequent. An der Marsstraße 6 will sie Xantee zudem noch mehr zu einem Ort der Begegnung machen als bisher. Sie will Stammkunden halten und neue gewinnen. Auf den 75 Quadratmetern Fläche soll es viele gemütliche Sitzgelegenheiten geben. Je nach Saison will sie Themenworkshops veranstalten. Neben den rund 200 Teesorten plus Zubehör will sie unter anderem auch Wolle und Keramik aus der Region anbieten. Und zudem kleinen Manufakturen eine Bühne geben. Dank einer Kooperation mit einer regionalen Regalvermietung gibt es bei Xantee viele ausgesuchte Produkte vom Niederrhein.
 
Probieren im Laden, Werbung auf Social Media
Im Mittelpunkt steht weiter der Tee. „Tee ist ein Getränk für alle Generationen und auf Instagram ein echter Trend, gerade auch unter gesundheitsbewussten jüngeren Menschen“, weiß Hannah Adam. Deshalb wird Xantee auch auf Social Media sehr aktiv sein.
 
In der Kundenberatung indes kommt es vor allem auf eines an: „Man muss für jede Teesorte den passenden Kunden finden.“ Das herauszufinden, geht nur mit Zeit. Mit dem richtigen Gespür. Mit einem guten Gespräch.
 
Ein solches war Mitte vergangenen Jahres der Startschuss für die Zukunft von Xantee. Es folgten Konzeption, Finanzierung, Umzug, Renovierung und Neustart. All das stemmte Hannah Adam als Mutter von vier Kindern. Der Einsatz hat sich ausgezahlt. Mit Xantee hat sie ein Traditionsgeschäft in Xanten ganz neu erfunden. Und sie fühlt sich angekommen: „Das hier ist mein Traumarbeitsplatz.“